Der Deutsche Computerspielpreis 2015 – Vergangenheit und Zukunft

Am 15. April ist es wieder soweit. Jährlich wird der Deutsche Computerspielpreis an Entwickler und ihre Spiele verliehen. Eigentlich sollten Entwickler und ihre Spiele zu ihrem Preisgeld auch Ruhm und Ehre bekommen… eigentlich. In den letzten Jahren musste der Deutsche Computerspielpreis (DCP) einiges an Kritik einstecken, besonders von der eigenen Community. Anschuldigungen über die Relevanz des Preises und Korruption von politischer Seite haben das Image der Preisverleihung ziemlich zugesetzt. Deswegen kommt der DCP dieses Jahr mit einem Update daher. Reformen über das Jury System, Kategorien und der Einfluss unserer Politik sind nur einige der Hotfixes, die dem Preis mehr Achtung und Qualität verleihen sollen. Grund genug einmal die Geschichte des DCP zu reflektieren und über die Zukunft zu spekulieren.

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Quelle: golem.de

So hart es auch klingt aber böse Zunge stellen sich zuerst einmal die Frage: „Wozu braucht man überhaupt eine Preisverleihung, die selbst keinen guten Ruf hat?“. In allen Spielemagazinen und Foren übertönt die Mecker-Quote deutlich den Supportern des Preises. Das es in der Vergangenheit Fehltritte gab ist nicht ab zu streiten. 2009 taten sich das BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) mit den Verbänden BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) und dem GAME (Bundesverband der Deutschen Gamesbranche) zusammen und verliehen zum ersten mal den Deutschen Computerspielpreis als kulturelle Auszeichnung und Förderung. Damals gewann das Spiel Wii Fit gegen GTA4

dog-dude-wait-whatWait what?! Das ist so als ob man den Oscar an eine Fitness DVD verleiht, obwohl ein neuer Tarantino Film zur Auswahl steht.

… Naja vermutlich befürchteten die Politiker in der Jury, dass sie Probleme mit ihrer Partei bekommen könnten, wenn sie ein Spiel gewinnen lassen indem man rumballern kann. Da hilft es anscheinend auch nicht, dass eine Film reife Gangster Story ala Scarface eingebaut wird, mit einem Protagonisten der permanent davon redet wie unschön so ein Kriegstrauma doch sein kann.

Es müssen Kompromisse zwischen der Politik und der Gamesbranche geschaffen werden

Natürlich ist es gut, dass die Politik diesen Preis als Kulturgut fördert. Es erwartet auch niemand, dass Politiker sich die Zeit nehmen mit dem Controller auf der Coach zu sitzen und sich selbst ein Bild von dem Spiel zu machen. Die meisten Politiker wissen vielleicht nicht einmal, wie so ein Controller gehalten wird. Die sollen auch lieber mal ihre Zeit in Politik investieren. In diesem Fall hätte es aber an den Vertretern der Gamesbranche gelegen, den Politikern in der Jury diplomatisch klar zu machen: „Hey schaut mal, der Grund für den Erfolg dieses Spiels ist größtenteils die Story und die Inszenierung der Charaktere!“.

Im Folgejahr 2010 gab es anschließend eine Nachnominierung. Zuerst hätte der Preis an das Spiel Uncharted2 gehen sollen. Es wurde aber dann doch lieber nachträglich das zahme Strategiespiel ANNO 1404 zum Sieger gekürt, auch wenn es nicht im Ausland, sondern in Deutschland produziert wurde.

Pfff… So eine Erbsenzählerei muss man ja nicht so genau nehmen.

2014 kam es dann zu einem Vorfall, der wohl am stärksten durch die Medien ging und das Image des DCP einen richtigen Tiefschlag verpasste. Die Redakteure der Gamestar Andre Peschke und Heiko Klinge, die schon seit 2009 Jury Mitglieder waren, warfen ihr Amt nieder. Grund dafür war ein Vetorecht für nominierte Spiele. Bedeutet: wenn die Mehrheit der Jury z.B. ein FSK 18 Spiel zum Sieger nominierte, konnte eine gewisse Minderheit dagegen stimmen (vereinfacht ausgedrückt).

(Videoquelle: Gamestar.de)

Es schien so als ob der Deutsche Computerspielpreis eher so etwas wie die Super Nanny der Gamesbranche sein wollte. Spiele sollten nur belohnt werden, wenn sie Jugendfrei und pädagogisch wertvoll sind. Nur zu blöd, dass die meisten Spieler heutzutage Erwachsen sind und dementsprechend auch nicht nur bock auf Teletubbie-Games haben.

Wie im Statement von Andre und Heiko auch schon erwähnt wird, spielt es keine Rolle, ob der Politik ein bestimmtes Genre leicht aufstößt. Verkauft werden FSK 18 Spiele trotzdem und in der Filmbranche wird auch keine bestimmte Filmkategorie ausgeschlossen, weil sie zu kontrovers ist.

Dies ist wahrscheinlich der größte Fehler der Veranstaltung gewesen. Die Unstimmigkeit zwischen Politik und der Gamesbranche hätte in der Öffentlichkeit stattfinden sollen. Entscheidungen sollten dargelegt und diskutiert werden können. In diesem Fall hätte sich die Community auch sicherlich hinter die Veranstaltung und ihrem Zweck gestellt, anstatt eine weitere Opposition zu bilden.

Politische Förderung in Form von Finanziellen Mitteln und Anerkennung ist zwar schön aber es ist die Beteiligung der Politik, Wirtschaft und Community, die den DCP zu einem wichtigen Event machen.

Die Reform des Deutschen Computerspielpreises

In einem Positionspapier, das Ende 2014 veröffentlicht wurde präsentiert der DCP sein neues Regelwerk. Zukünftig soll alles in geregelten Bahnen ablaufen.

An dieser Stelle gehen wir mal nicht zu sehr ins Detail. Weiter unten gibt es einen Download link, da könnt ihr alles nachlesen.

Die wichtigsten Fakten bestehen darin, dass es zukünftig nicht mehr so leicht sein wird die Entscheidung der Jury zu umgehen. Außerdem sollen die Preisgelder mit denen des deutschen Filmpreises auf Augenhöhe stehen. Bisher wird eine Gesamtsumme von 385.000€ auf 14 Kategorien verteilt. Dem deutschen Filmpreis hingegen stehen 3 Millionen Euro zur Verfügung und das obwohl die Videospielindustrie mehr Geld einbringt, als die Filmbranche. Das entspricht noch nicht wirklich der Summe des Filmpreises.

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Die Verleihung des Deutschen Computerspielpreis 2014

Hoffen wir mal, dass die restlichen Innovationen umgesetzt werden können. Außerdem sollen ein paar Bekanntheiten aus der Szene der Veranstaltung etwas mehr Show Charakter verleihen. Auf diese weiße soll der DCP etwas aufgepeppt und interessanter gemacht werden. Für alle die sich die neuen Kriterien gerne mal genauer ansehen würden, gibt es hier den Download zum Positionierungspapier.

Fazit

Mehr Kompromisse, mehr Show, mehr professionelles Verhalten, dass braucht der DCP! Meiner Meinung nach sind die Fehltritte der Vergangenheit ein Wachstumsprozess. Klar waren einige Moves nicht cool und das momentane Image ist für die Katz aber es gibt keinen Grund den Deutschen Computerspielpreis einfach fallen zu lassen. Selbst wenn nur ein kleines Entwicklerteam davon profitiert und evtl. die Entwicklungskosten teilweise wieder reinholen kann, hat es sich schon für uns, als Community gelohnt. Nicht zu vergessen, dass Experten und Branchen Futzis auf die Entwickler und Spiele aufmerksam gemacht werden.

 

Quelle: onlinewelten.com
Quelle: onlinewelten.com

 


Die Selbstfindungsphase des DCP ist ein gutes Beispiel für die ganze Situation der Gamesbranche in Deutschland. Da fängt es schon bei den Ausbildungsmöglichkeiten an. Die meisten Berufe, die direkt zur Gaming Industrie führen werden nicht staatlich gefördert. Viele vernünftige Ausbildungen finden nur an privaten Hochschulen statt. Print und Online Magazinen der Szene wird vorgeworfen sie betreiben keinen Spiele Journalismus, sondern verkaufen sich den Publishern als Marketing Instrument. Zum teil stimme ich mich dieser Meinung auch zu. Würde es eine Art Bildungsauftrag bei den Szene führenden Medien geben, wäre wahrscheinlich auch etwas mehr Akzeptanz für Videospiele Vorhanden.

Natürlich geht unser aller Leben auch normal weiter, wenn der Wirtschaftszweig oder die Kultur dahinter sich nicht weiter entfalten würde, es handelt sich hier letztendlich nur um Spiele. Trotzdem sind Videospiele Kulturgut. Kein anderes Medium kann die Aufmerksamkeit eines Konsumenten so sehr an sich binden wie ein gutes Game. Bei einem Film von J.J. Abrams oder einer HBO Serie sagt auch jeder Laie: „OH! Das ist gut produziert worden… ja, ja ein ganz anderer Standard ist das!“. Der Deutsche Computerspielpreis brauch wahrscheinlich noch ein paar Patches aber mit der Zeit könnte er ein sehr gutes Qualitätssiegel für jeden Laien werden.

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