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Die Games&Ausbildung Fachkonferenz 2015 – Eindrücke, Themen, Probleme und Fazit

Am 16.12.2015 fand in Köln zum ersten Mal die Games&Ausbildung statt. Der Name war dabei Programm. Professoren, Studenten und Menschen aus der Szene sollten hier die Möglichkeit bekommen sich über Ausbildung innerhalb der Gamesbranche zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und miteinander netzwerken. Die Idee hinter dieser Veranstaltung gefiel mir sehr gut, deswegen habe ich mich auf den Weg nach Kölle gemacht und mir angesehen, was dabei herum kam.

Tag der offenen Türen in der Gamesbranche…


Da dieser Blog hier sich selbst auch die Aufgabe gegeben hat eine Informationsquelle für Laien außerhalb der Gamesbranche zu sein, passt diese Konferenz natürlich perfekt hier her. Wenn ihr momentan sowieso überlegt, ein Studium für Games anzufangen, dann gibt es hier einen ausführlichen Eindruck von mir. Für alle anderen ist es hoffentlich auch informativ.

Die Veranstalter Aruba Events haben (meiner Meinung nach) etwas sehr wichtiges ins Leben gerufen. Ich glaube das Motto „Tag der offenen Türen“ beschreibt die Veranstaltung am besten. Wenn ihr euch gerne über verschiedene Ausbildungsformen oder Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland informieren möchtet, dann ist dieses Event genau die richtige Anlaufstelle.

Vor Ort waren jede menge Vertreter von privaten und staatlichen Fachhochschulen oder Universitäten. Verschiedene Berufsbilder und Studiengänge wurden erläutert. Im Publikum saßen auch einige Berufstätige aus der Branche, dadurch konnte gemeinsam besprochen werden, inwieweit eine Ausbildung und die erwartete Job Qualifikation in der Realität zusammen passen. 

Quelle: Uwe Konrad, Aruba Events

Als ich mich während den Vorträgen und Gesprächen umgesehen habe, sind mir viele junge Menschen aufgefallen, die wahrscheinlich sehr damit beschäftigt waren, ihre Vorstellungen mit dem gesagten zu vergleichen.
Generell hatte ich das Gefühl, dass Game-Studenten sich viel mehr für ihr Studium interessieren und engagieren als Max Mustermann, der sich in BWL eingeschrieben hat, weil er nicht wusste was er studieren soll.

 


 

Mentoren unter sich – Forschung oder Handwerk?


Allerdings war die Konferenz nicht nur eine reine Informationsveranstaltung für Teenies. Die bereits oben erwähnten Professoren und Ausbilder tauschten sich auch über ihren eigenen Status Quo aus. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass es scheinbar einen kleinen Krieg zwischen der theoretischen Wissenschaft und den Praxis orientierten Unternehmen gibt.
Eines ist dabei sehr deutlich geworden. Die Spieleindustrie in Deutschland steckt voller Motivation und Tatendrang, in allen Gebieten. Sie ist allerdings sehr, sehr jung und anscheinend zu unbedeutend (Umsatzschwach) für Politik und wirtschaftliche Förderungen.

Den Unterschied, der beiden Parteien möchte ich an dieser Stelle unbedingt erläutern, denn auch Studenten sollten vor dem Studium den Unterschied zwischen Forschungs- und Handwerksstudiengänge wissen:

Wählt ihr ein Studium der Forschung, werdet ihr euch wissenschaftlich mit dem Medium „Videospiele“ beschäftigen

Warum und wie lösen Videospiele Emotionen bei uns aus?
Welche Spielmechaniken gibt und gab es?
Wie entwickelt man neue Spielmechaniken, damit z.B. neue Genres entstehen oder bestehende Arten von Spielen besser funktionieren?
Was sind die neusten Entwicklungen der neuen Medien (z.B. Virtual Reality)?
Wie reagiert die Gesellschaft auf das Medium?

In den „Handwerksstudiengängen“ hingegen lernt ihr Spiele zu produzieren oder wie man die Projekte realisiert.

Wie programmiere ich Spielmechaniken oder Abläufe in Spielen?
Wie kommen die Texturen auf meine Spielfigur?
Wie gestalte ich ein Level für mein Spiel?
Wie mache ich damit Profit?!

Diese Differenzierung ist natürlich aus meinem eigenen Verständnis der Vorträge entnommen. Wenn sich jetzt ein Student oder Professor die Hand vor den Kopf schlägt, hinterlasst mir doch bitte eure Sichtweise in den Kommentaren.

 


 

Prof. Dr. Gundolf Freyermuth hat zum Auftakt der Konferenz drei Kriterien genannt, die eine Branche erfüllen muss, um in der Politik (bzw. der Gesellschaft) Anerkennung zu finden:

  1. Die Branche sollte eine Wirtschaftliche Relevanz haben.
  2. Es sollten Kulturelle Ereignisse stattfinden (dies wären z.B. Konferenzen und Preisverleihungen).
  3. Studiengänge müssen etabliert werden.
Quelle: Uwe Konrad, Aruba Events

Die Definition von: „Games in der Mitte der Gesellschaft„, klingt unter diesen Kriterien recht einleuchtend für mich. In Deutschland existieren mittlerweile alle Voraussetzungen, allerdings muss jeder Aspekt expandieren und wachsen. Damit der deutsche Markt sich im globalen Wettstreit behaupten kann, bedarf es mehr Individualität und Expertise.
Deutschland ist bekannt für sein Faible an Strategiespielen, Browsergames und der Cryengine. Warum arbeitet die Forschung also nicht Hand in Hand mit den Unternehmen zusammen, um beispielsweise diese drei Stärken unseres Marktes weiter auszubauen? Studenten brauchen immer Jobs also lasst sie Erfahrungen sammeln. Arbeitsprozesse innerhalb der Spieleentwicklung können bestimmt in Projektarbeiten ausgelagert werden?

 


 

Fazit: Brüder und Schwestern im Geiste

Da ich selbst erst anfange mich mit der Spielebranche auseinander zu setzen, bin ich sehr erstaunt wie persönlich der Umgang miteinander ist. Mir kommt es nicht vor wie eine Industrie oder eine Berufswelt, sondern viel eher wie ein Zusammentreffen von Gleichgesinnten. Alle wollen an einem Strang ziehen und sind dazu auch noch sehr kontaktfreudig. Man ist direkt mit allen Gesprächspartnern per Du und hat Interesse für die Anliegen der Anderen. Ich vermute mal es liegt auch an der Jugend der Szene. Genau JETZT in den vergangenen- sowie in den kommen paar Jahren, etablieren diese Menschen eine kulturelle und finanziell relevante Branche.

Fehlende Kommunikation von Arbeitgebern zu Ausbildern
Das Feedback und die Zusammenarbeit vom Arbeitsmarkt zu den Ausbildungsstätten könnte meiner Meinung nach etwas optimiert werden. Warum holen sich Unternehmen nicht ein paar Studenten als billige Arbeitskraft, wenn es schon nicht gut mit der Finanzierung aussieht?
Stattdessen beschweren sich einige Entwicklerstudios, dass Absolventen ihr Handwerk nicht gut genug beherrschen. Die jungen Hüpfer sind doch froh, wenn sie Kontakte und Erfahrungen sammeln können. Dann arbeitet doch mit an ihren Fähigkeiten?

Forschung oder Handwerk?
Ja, in vielerlei Hinsicht steckt die deutsche Gamesbranche noch in ihren Kinderschuhen aber genauso, wie man das Wachstum eines Kindes nicht verhindern kann, wird auch die Entwicklung dieses Mediums nicht zu stoppen sein. Mit Sturm und Drang versuchen Denker und Macher sich zu behaupten.

So kam es mir zumindest vor…

Dabei legen alle Beteiligten mehr Wert darauf ihren Standpunkt klar zu machen, als nach Überschneidungen und Kompromissen zu suchen. Ich finde die Kriterien für kulturelle Akzeptanz von Prof. Dr. Gundolf Freyermuth sollten zwar gefördert werden, allerdings mit einer chronologischen Priorität.
Sie könnten auch eine Bedürfnispyramide darstellen. An erster Stelle braucht die Branche Geld… Geld, Geld, Geld!
Egal ob es aus Förderungen oder Verkäufen kommt. Die Lebensgrundlage muss vorhanden sein, ansonsten kann es kein Wachstum geben. Können wir nicht die Goldgruben namens „Browsergames“ nehmen und sie zur Förderung der echten Gamesbranche durch Steuergesetze zwingen?

 

Darum frage ich mit laienhafter Naivität…
Liebe Denker,
ihr solltet doch wissen, was an Videospielen so geil ist und warum der deutsche Markt hinterherhinkt? Helft doch einfach die Spiele innovativer zu machen? Dann kann man von der Branche und Staat auch mehr Forschungsgelder einfordern.

 

 

 

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