PLAY16 – Tag 2

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Wie die Zeit verrennt, wenn man Spaß am Spiel hat.
Mein zweiter Tag in Hamburg und mein erster auf der PLAY16. Ausgeschlafen und so frisch ich nur sein kann, habe ich mich am Donnerstag Vormittag auf den Weg zur Hauptveranstaltung gemacht. Mit nem Kaffee und einem Brötchen im Anschlag habe ich mich allerdings erst einmal eine Stunde lang verlaufen.

Ist aber überhaupt kein Ding. Ich habe alle Zeit der Welt und schaue mir auch gerne die Gegend an„.

Relativ dumm war es trotzdem. Alle drei Festival Locations sind maximal zehn Minuten vom Bahnhof entfernt. Als ich dann letztendlich doch die Festival Zentrale fand, konnte ich ohne Probleme das bestellte Ticket auch einfach in Bar bezahlen (Siehe auch: Meine Schusseligkeit an Tag 1).


Die Ausstellung im Kunsthaus Hamburg
Nachdem ich an der Rezeption mein Bändchen abgeholt hatte musste ich natürlich erst noch „schnell“ ein Bild für Instagram machen… und Hashtags suchen… und auf Twitter teilen. Ein wenig später ist mir dann aufgefallen, dass ich wie ein Depp minutenlang in der Eingangstür stand, die Jacke zwischen meine Beine geklemmt und auf mein Handy geschaut habe. Aber hey, alles für die Klicks!
Zuerst bin ich einfach ein bisschen herumgeschlendert und habe mir alles angesehen. Gleich am Eingang fiel einem besonders das große Zelt auf, indem ein Game Design Workshop stattfand. Es war ein bisschen wie, wenn man Tiere im Zoo beobachtet. Sonst standen überall Spielstationen für Desktop Indie Games, VR-Spielchen und experimentelle Spielmechaniken herum. Besucher spielten an kleinen Würfel-artigen Konsolen und flötzten auf Sitzkissen herum. Es gab ein paar VR-Projekte, bei denen ich aber noch keinen Betreuer antraf. Die Veranstaltung war zwar nicht überfüllt aber doch schon recht lebhaft. Zwischendrin hörte ich andauernd ein auffällig lautes Stöhnen. Erst habe ich mir nichts dabei gedacht und ging schmunzelnd weiter.


Vertieft in die Tiefen des Meeres…
Ich ging weiter und lunzte in einen abgedunkelten Raum, indem zwei Spiele an die Wand projiziert wurden. Eines sah aus wie Journey und das andere kam mir vom Namen her sehr bekannt vor, „Everybody’s gone to the Rapture„. Mich zog es dann aber zuerst zu dem Spiel, dass mich an Journey erinnerte.

abzuAch guck an, „ABZU“ von „Giant Squid“. Das sind ja die Herren, die auch ihre Finger bei Journey mit im Spiel hatten, Goil!“ Okay. Direkt ans Gamepad und die Kopfhörer aufgesetzt.

An dieser Stelle spare ich mir die Erklärung für diese Art von Spielen. Man muss sie erlebt haben. Es ist eine sehr, sehr schöne und beruhigende Erfahrung. ABZU ist ein ähnliches Erlebnis wie Journey. Es spielt unter Wasser und ich war sofort wieder in dieser wohltuenden Atmosphäre gefangen. Normalerweise drehen sich Spiele um schnelle Reaktionen und eher aggressive Handlungen, wie z.B. Shooter oder MOBA Spiele. Mir ist schon klar, dass diese Emotionen den Spieler bei der Stange halten sollen aber ABZU ist genau das Gegenteil und funktionieren wunderbar. Man ist entspannt aber nicht unaufmerksam. Dabei geht die Lust am Spiel auch nicht verloren, im Gegenteil. Genauso wie mich Spielmechaniken mit Belohnungssystemen im Kopf triggern, schaffen es diese  Spiele Harmonie-Schübe bei mir hervor zu rufen. Da ich früh durch die Halle wieselte und noch nicht viele Besucher anwesend waren gab es keinen großen Andrang an den Spielstationen (oder die anderen Besucher wollten mich nicht einfach wegjagen) nahm ich mir die Zeit und spielte die komplette Demo durch.


Neue Möglichkeiten Spiele zu erleben…
Irgendwann musste ich mich aber von der Harmonie in ABZU trennen. Schließlich wollte ich mir noch den Rest der Ausstellung ansehen. Doch da war es wieder. Dieses sau laute, penetrante Stöhnen…

„Ei, was is denn hier bitte los?! Ist ja nicht so, dass hier Schüler rumlaufen oder so„.

Irgendwie sowas schrie der alte Mann in mir und ich war mir nicht sicher, ob diese wollüstigen Ausrufe von einer echten Person oder nicht. Immerhin war ich auf einer fancy Kulturmesse für freie Geister und aufgeschlossene Menschen.

Naja egal, macht doch was ihr wollt…

 

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An einem Stehtisch lernte ich Dominik kennen. Ein Dude der gerade seine Master Arbeit in Kommunikationsdesign abgeschlossen hatte. Er war auf der Messe um sein Projekt Manege.io vorzustellen. Dieses Projekt ist der Stehtisch selbst gewesen, denn dieser war auch gleichzeitig eine Spielfläche für ein lokales Multiplayer Spiel. Ich fand die Idee sehr raffiniert. Als Controller dient das eigene Handy. Das Spiel wird als App herunter geladen aber das Spiel wird gemeinsam auf einen Bildschirm im Tisch projiziert.

Quelle: Vimeo Dominik Krebs

Mehr als das Spiel hat mich die Art und Weise wie die App genutzt wird fasziniert. Irgendwie erinnerte es mich an alte Opas, die in Parks immer Schach oder Dame an Steintischen spielen (Opies 2.0). Digitale Mini-Spiele an öffentlichen Plätzen zu integrieren wäre eine sehr schöne Methode die ewig erflehte Akzeptanz von Games in Deutschland zu fördern.

Auf dem Rückweg aus der Halle heraus fiel mir auf, dass hinter einer Trennwand noch eine Spielstation aufgestellt war. Dahinter wurde das Spiel “ versteckt, welches für das ständige Gestöhne verantwortlich war! Da ich sowieso einen besonders hohen Skill in „Lustmolch“ habe, hätte ich das Spiel gerne mal ausprobiert aber leider war kein Verantwortlicher an der Spielstation anzutreffen. Also doch kein Cybersex bei dem mich die komplette Halle hören kann, schade.

Nachtrag: Mittlerweile ist mir zu Ohren gekommen, dass der Clou an dem Spiel ist, dass es rein auditiv funktioniert. Man sieht also nichts und muss den virtuellen Sexpartner im dunkeln befriedigen.

oooohvrAnsonsten konnte ich noch ein geiles VR-Projekt namens „OOOOHVR“ ausprobieren. Im liegen schwebt der Spieler durch abstrakte Welten, die an ein Kinderzimmer oder das Weltall erinnern. Gelenkt wird lediglich mit der Blickrichtung. Dazu wird der Spieler mit Musik berieselt. Klingt vielleicht erst einmal unspektakulär aber es ist eine sehr entspannende Beschäftigung. Einfach mal treiben lassen und die Bilder genießen. Das Projekt ist noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase aber das Konzept finde ich prima. Früher habe ich mir auch gerne Musik angehört und mir dabei stundenlang den Winamp Player mit seinem „Visualization“ Feature angesehen. Dieses Projekt ist eine ähnliche Erfahrung und sollte von Spotify gekauft werden!

 


Die Erkenntnis des Tages…
Soziale Aspekte IN Spielen sind zwar auch eine Form des Miteinander aber von außen werden die Menschen immer nur jemanden sehen, der auf sein Handy oder an seinen Monitor klotzt. Dadurch ist schon vor langer Zeit eine digitale Parallelgesellschaft entstanden. Wenn zwei Menschen zusammen an einer Konsole zocken oder Tischtennisplatten in öffentlichen Parks benutzen erkennt man direkt ein soziales Miteinander. Die soziale Komponente wird also direkt erkannt. Ich glaube Spiele, die mit dem Körper gesteuert werden müssen oder eine neue Form der Interaktion beinhalten, werden in Deutschland eher akzeptiert. Dabei ist es egal ob sie digital sind oder nicht. Minimale Spielkonzepte, die einfach mal so nebenbei gespielt werden können, sind auf jedem Smartphone bei jedem Menschen zu finden. Verpackt man tolle kleine Konzepte mit einer neuen Herangehensweise tun wir vermutlich mehr für das Image der Videospiele, als wenn wir auf Twitter und im Spiegel Magazin darüber diskutieren.

Nix gegen Tripple A Titel wie GTA oder The Witcher. Ich spiele solche Spiele auch sehr gerne aber die PLAY16 hat mir an diesem Tag gezeigt, dass neue Herangehensweisen für das Thema Spiele in Deutschland gebraucht werden.

 

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