TwitchTV landet bei Amazon

 

Twitch-AmazonIn meinem letzten Artikel über den mutmaßlichen super Deal zwischen der Gaming Plattform TwitchTV und dem Versandhandel Amazon ist es am Ende zu einem komplett anderen Ergebnis gekommen. Der Streaming Dienst Twitch wurde nicht von Google/YouTube, sondern von Amazon aufgekauft. Die offiziellen Gründe der Monopolbildung sind eine Sache aber was mich viel mehr daran interessiert hat, ist die Frage WARUM ausgerechnet Amazon das neue Zuhause von Twitch geworden ist. Die Summe der Übernahme beträgt 970 Millionen Dollar, was ungefähr dem Angebot von Google bzw. YouTube entspricht.

Eigentlich dachte ich der Google/TwitchTV- Deal wäre schon in trockenen Tüchern und plötzlich kam die Nachricht, dass Amazon der Käufer ist. Die Erklärung seitens Google ist eine Antwort, die mir ziemlich plausibel erscheint.

Der Google Konzern hatte am Ende doch noch kalte Füße bekommen, da es Probleme mit der Kartellbehörde geben könnte, wenn Google die zwei größten Video Plattformen im Internet besitzen würde.

Also musste Google/YouTube sicherheitshalber das Feld räumen.

„Aber warum Amazon?“ dachte ich mir im ersten Moment…

Wenn man sich die wirtschaftliche Situation von Amazon im Moment anschaut, ist die Übernahme schon sinnvoll. Der Online-Händler nummero uno fällt momentan finanziell stark Bergab. 2013 hatte Amazon zwar einen Umsatz von rund 18 Milliarden US-Dollar einen Verlust von 41 Millionen Dollar und wir müssen keine Pressemitteilungen studieren, um etwas davon zu erfahren. Die Proteste der Mitarbeiter bei Amazon gingen und gehen immer noch durch alle Medien.

 

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Umsatz und Gewinn von Amazon. 2009-2013

Grund genug für Amazon sich also um zu orientieren. Das Unternehmen sucht die Flucht nach Vorne und investiert in moderne Medien. An sich keine schlechte Idee, da der Wachstum im Bereich Logistik ein finanzielles K.O. bedeuten würde.

Da Amazon sowieso mit Serien und Filmen auf DVD und BluRay handelt, liegt es doch nahe eine eigene Mediathek zu eröffnen? Immerhin sollte Amazon wissen, welche Filme und Serien momentan am Markt florieren.

Die gleiche Methode machen sie mit Büchern. Da es anfangs lediglich Bücher bei Amazon zu kaufen gab, hat das Unternehmen eine starke Partnerschaft mit dem Kindle Verlag aufgebaut und dieser Bereich ist wahrscheinlich immer noch ein großes Stück des Gesamtumsatzes. Da liegt es doch nahe, dass sie eine Online-Leihbücherei eröffnen.

Mittlerweile ist das Medium „Videospiel“ eben auch zu einem finanziellen Giganten gewachsen und scheint einer der Standbeine von Amazon zu sein. Sonst hätten sie bestimmt nicht eine Milliarde in eine Streaming Plattform für Gamer investiert.

Hinzu kommt ein eigener Cloud-Service, ein Appstore für Android und die Hauseigene Marke „Fire“, mit der sie Tablets, Smartphone und TV-Boxen mit verschiedenen Streaming Plattformen anbieten.

 

Produktsparten Umsatz Amazon. 2006-2013
Produktsparten Umsatz Amazon. 2006-2013

Die Investition Twitch ist also ein Support für dieses mediale Standbein. Solange die Spieler spielen und die Community sich selbst unterhalten kann, werden auch mehr Spiele und Zubehör verkauft. Die Frage ist nur, wie weit Amazon seine Finger da im Spiel hat?

Instrumentalisiert man ein Community Projekt wie TwitchTV zu sehr mit tollen Verkaufsideen werden die Spieler bald schon keine Lust mehr haben und suchen sich einfach eine alternative Plattform.

Zudem ist Twitch selbst auch kein Minusgeschäft. Die Plattform existiert erst seit 2011 und bekam 2012 Geldspritze von 15 Millionen US-Dollar. Schon damals war Twitch mit 22 Millionen Viewern monatlichen die größte Streaming Plattform der Welt. Heute sind sie bei  Mit dem richtigen Einsatz und einer Optimierung könnte Amazon daraus wahrscheinlich sogar noch mehr heraus holen.

FAZIT

Die Zukunft von Twitch ist für mich momentan ungewiss. Es liegt jetzt erstmal an Amazon, wenn sie den Wechsel vom Versandhandel in die digitale Unterhaltungsindustrie schaffen sollten, wird das mit Sicherheit ein Gewinn für alle Beteiligten und vor allem für uns Konsumenten!

Zumindest muss man Amazon anrechnen, dass sie den richtigen Riecher haben. Sie erkennen Ihre Stärken (denn sie wissen am besten welche Filme, Spiele und Bücher sich verkaufen) und bauen darauf neue, innovative Geldquellen auf.

Allerdings sollte Amazon gerade jetzt etwas mehr auf seine Investitionen achten, was sollte diese Nummer mit dem Fire Phone? Ein totaler Flopp! Ich meine, hey eBook Reader? Okay, die Dinger sind nicht so komplex und bestimmt einfach zu produzieren aber ein Smartphone?!

Komm mal klar! Du hast die Taschen fast leer und legst dich mit Google an, indem du TwitchTV gekauft hast aber dann noch gleichzeitig in Konkurrenz zu Apple treten ist schon ein bisschen bekloppt.

Trotz allem zeigt Amazon Eier! Es heißt nicht umsonst: „Wer Geld verdienen möchte, muss bereit sein Geld auszugeben“.

 

Wie sieht es bei euch aus? würdet ihr jetzt eher ein Mediathek-Abo abschließen, wenn ihr TwitchTV dort empfangen könntet? Denkt mal alternativ an SMART-TV, würdet ihr euch eher einen Fernseher holen der die SMART-Funktion besitzt, wenn ihr neben YouTube damit auch Twitch schauen könntet? Schreibt es in die Comments.

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